Ratgeber Prävention 03/2009
Thema: Mit einer Erkältung nicht mehr fahren?
 

Wegen einer Erkältung auf das Auto zu verzichten, der Gedanke liegt vielen erst mal fern. Doch das ist nicht ganz unberechtigt, sich bei einer Erkältung zumindest die Frage zu stellen, ob man noch in der Lage ist, ein Fahrzeug sicher zu führen.
Nicht erst wenn der Kopf dröhnt, die Nase läuft, die Augen tränen, kann mit dem Allgemeinbefinden auch die Fahreignung beeinträchtigt sein. Spätestens aber dann, wenn Gesundheitstee oder andere Hausmittel nicht mehr ausreichen und Medikamente eingenommen werden müssen, ist es Zeit, seine Leistungsfähigkeit zu überprüfen.

Nebenwirkungen von Medikamenten:
Wegen der Nebenwirkung fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Es gibt wohl kaum einen, der diesen Spruch noch nicht gehört hat, und das zu Recht! Medikamente haben durchaus Wirkungen, die auch in anderen Bereichen als der Krankheitsbekämpfung zum tragen kommen, z.B. im Straßenverkehr: Tranquilizer, Psychopharmaka, Antiallergika und andere Arzneimittelgruppen haben verkehrsrelevante Nebenwirkungen, die vom Betroffenen nicht ignoriert werden dürfen. Denn bereits die bekannten Nebenwirkungen wie Verlangsamung der Reaktionsfähigkeit, Konzentrationsstörungen, Schwindel und/oder Müdigkeit können im Straßenverkehr schnell zur Unfallursache werden. Welches Medikament welche Nebenwirkung hat beziehungsweise haben kann, ist in der Regel dem Beipackzettel zu entnehmen. Dieser ist oft unendlich lang und lädt kaum zum Lesen ein, sollte aber dennoch genauestens studiert werden. Bei Unsicherheiten und Fragen, insbesondere wenn verschiedene Präparate gleichzeitig eingenommen werden, empfiehlt es sich darüber hinaus, beim Apotheker oder direkt bei seinem Hausarzt nachzufragen.

Ständige Selbstprüfung erforderlich:
Obwohl -oder gerade weil- die Fahreignung ständigen Schwankungen unterworfen ist, muss jeder Fahrer seine "Tagesform" vor jedem Fahrantritt selbst überprüfen. Bei dieser Selbstüberprüfung darf gerade der Einfluss von Medikamenten und Krankheit(en) nicht ignoriert werden. Denn wer sich infolge körperlicher oder geistiger Mängel nicht sicher im Straßenverkehr bewegen kann, darf am Straßenverkehr nicht teilnehmen, da er sonst sich und andere gefährdet. Dies bedeutet jedoch nicht in jedem Fall einer Erkrankung, dass das Fahrzeug stehen gelassen werden muss. Auch führt nicht jede Medikamenteneinnahme zu einer Beeinträchtigung der Fahreignung - in manchen Fällen wird sie durch das Medikament gerade hergestellt. So zum Beispiel eine Zuckerkrankheit bei guter Einstellung allein kein Grund, die Fahreignung in Frage zu stellen.

Konsequenzen bei Verstößen:
Wer sich jedoch keine Gedanken über seine Fitness macht, kann mit weitreichenden Konsequenzen in einen Schadensfall rechnen.
Dieses hat ein Autofahrer feststellen müssen, der vor Fahrtantritt Psychopharmaka in größeren Mengen eingenommen hatte. Er fuhr mit seinem Fahrzeug ungebremst auf einen auf der Straße abgestellten Lieferwagen. Den Polizisten fiel das apathische Verhalten auf und veranlassten eine Blutprobe. Diese ergab, dass der Fahrer fahruntüchtig gewesen war. Der Führerschein wurde entzogen. Auf den Schaden am eigenen Fahrzeug blieb der Betroffene ebenfalls sitzen. Die Kaskoversicherung lehnte eine Leistung wegen grober Fahrlässigkeit ab.

Ihr Präventionssachbearbeiter
Polizeiobermeister Kutschenreuter
Polizeirevier Rochlitz